Der Kräutergarten


Jahrzehntelang ist das „Kräutergärtchen”, ohne das von alters her ein Garten nicht denkbar war, hier bei uns vernachlässigt worden. Die vielen ausländischen Gewürze, die auf dem Markt erschienen, brachten die bei uns heimisch gewordenen Kräuter immer mehr in Vergessenheit. Schon seit Jahren also wird wieder ganz besonders durch Muster- und Schaugärten, auf Gartenschauen, in Schulgärten sowie in Wort und Schrift für einheimische Kräuter geworben, die oft ja so bekömmlich und schmackhaft sind.


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Basilikum

Für eine gesunde Ernährungsweise spielen Kräuter eine sehr wichtige Rolle. Es ist leicht zu erklären, warum in einer Zeit, in der sich so viele Menschen bemühen, gesünder zu leben und zu essen, viele beinahe vergessene Gewürz- und Heilkräuter wieder Einzug in Gärten und Küchen halten. Kräuter erleichtern den Verzicht auf Salz und auf scharfe Gewürze, die unserem Organismus oft schlecht bekommen. Bei vielen Beschwerden können uns Heilkräuter meist helfen, und das ohne Nebenwirkungen, mit denen man bei der Einnahme anderer Medikamente oft rechnen muß. Der Kräutergarten wird zu einer kleinen Apotheke.

Lieber Gartenfreund! Lege dir deshalb ein Kräutergärtchen zu. Das ist nicht allein interessant, sondern auch sehr nützlich. Ich will dir helfen, nicht nur die Kräuter richtig im Haushalt zu verwenden, sondern auch deinen Kräutergarten richtig anzulegen.


Schon vor der Anlage mußt du dir klar sein, welche Kräuter du in deinem Garten selbst heranziehen willst, wieviel du von der einen oder anderen Kräuterart brauchst. Dementsprechend teilst du dir das Kräutergärtchen ein. Auf den meist kleinsten Teil kommen die hohen, mehrjährigen Arten. Von diesen werden nach Bedarf je eine kleine Reihe oder auch nur einige Pflanzen gezogen. Um gleich von vornherein Ordnung zu haben, mußt du nach der Höhe der Kräuter die Anordnung, also die Anpflanzung vornehmen.

Viele Kräuter können sogar auf dem Balkon oder im Zimmer gezogen werden. Auf jedem kleinen Grundstück läßt sich ein Kräutergarten mit allen wichtigen Arten anlegen. Die folgenden Tips sollten bei der Verwendung der Kräuter helfen.


Die Höhe der Kräuter

Alant: 2 m; Angelika: 1,50 m bis 2 m; Liebstock: 2 m; Estragon: 1,20 m; Beifuß: 1,50 m; Wermut: l m; Melisse: 60 cm; Salbei: 50 cm; Raute: 40 cm; Pimpinelle: 50 cm; Lavendel: 30 cm; Bohnenkraut: 30 bis 35 cm; Tripmadam: 30 cm; Pfefferminze: 30 cm; Thymian: 35 cm.


Den Abschluß bilden Kümmel und Löffelkraut, welche nur zweijährig sind. Waldmeister wird in eine schattige Ecke gesät. Anschließend pflanzt oder säst du die einjährigen Würz- und Heilkräuter: Dill: 25 cm bzw. l m; Fenchel: l m; Koriander: 50 cm. Anis, Boretsch, Bohnenkraut, Basilikum, Thymian, Portulak, Majoran, Kamille, Kerbel und Kresse benötigen keine Anordnung. Sie sind ziemlich gleich hoch und können je nach der Aussaatzeit der Reihe nach in den Boden gebracht werden. Zuletzt werden noch die jungen Krauter gepflanzt, die im Mistbeet oder Zimmer vorgezogen worden sind. Ein so angelegtes Kräutergärtchen schafft eine gute übersicht und Ordnung.

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Standorttipp:

• Viele unserer Küchen- und Heilkräuter kommen aus den Mittelmeerländern. Sie brauchen, wie auch die meisten heimischen Kräuter, einen warmen, sonnigen Platz im Garten, bis auf ganz wenige Ausnahmen (Waldmeister) entfalten alle Krauter ihr Aroma am besten an voller Sonne.
• Auch wenn vom Kräutergarten die Rede ist, brauchen Kräuter nicht unbedingt ein eigenes Quartier im Garten. Im Gegenteil, viele Arten beugen als Nachbarn anderer Nutz- oder Zierpflanzen im Gemüse- oder Rosenbeet oder auch im Steingarten Schädlingen und Krankheiten vor oder wirken sogar ertragssteigernd.
• Die Bodenansprüche der Kräuter sind im allgemeinen gering. Einige Arten gedeihen auf trockenen und mageren Böden noch gut. Staunässe vertragen sie nicht.

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Bohnenkraut

Aussaat-/Pflanztipp:

Für die Anlage des Kräutergartens oder den Anbau der Kräuter im Gemüsegarten spielen einige Eigenschaften der Kräuter eine Rolle: Die Wuchshöhe und der Platzbedarf, die Lebensdauer (einjährig, zweijährig, mehrjährig) und die Verwendbarkeit.
• Man muß verhindern, daß hohe Arten, wie der Liebstöckel, kleineren Arten Luft, Licht und Platz wegnehmen. Manche ausdauernden Kräuter, wie z.B. die Pfefferminze, breiten sich stark aus und können ihre Nachbarn arg bedrängen. Sie werden etwa alle 2 - 3 Jahre geteilt.
• Diejenigen einjährigen Kräuter, die jedes Jahr gleich an Ort und Stelle gesät werden, trennt man von den ausdauernden Stauden, um die Aussaat zu erleichtern. In Töpfen oder im Frühbeet gezogene einjährige Kräuter, die als Jungpflanzen in den Kräutergarten gesetzt werden, können dagegen Lücken zwischen den ausdauernden Kräutern füllen.
• Manche Krauter werden in größeren Mengen benötigt, z.B. Schnittlauch, Dill und Petersilie. Solche Arten zieht man aus Samen selbst. Von anderen reicht eine Pflanze völlig aus, z.B. vom Liebstöckel und der Weinraute. Diese Arten kann man sich gut als Jungpflanze in einer Staudengärtnerei besorgen.
• Bei der Aussaat und Pflanzung von Kräutern gilt im allgemeinen, was bereits zu den Stauden und Sommerblumen gesagt wurde. Es ist wichtig zu wissen, ob das jeweilige Kraut ein »Lichtkeimer« ist. Die Lichtkeimer werden nach der Aussaat lediglich gut angedrückt, aber nicht mit Erde bedeckt. In diese Gruppe gehören Basilikum, Bohnenkraut, Estragon, Majoran, Thymian und Zitronenmelisse.

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Pflegetipp:

• Kräuter brauchen im allgemeinen wenig Pflege. Die meisten Arten vertragen sogar kurzzeitige Trockenheit noch gut. Eine Düngung ist in der Regel auf normalem Gartenboden nicht notwendig.
Immergrüne oder halbimmergrüne Arten (Thymian, Rosmarin) sollte man in rauheren Gegenden den Winter über mit etwas Tannenreisig schützen.

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Zitronenmelisse

Erntetipp:

• Bei den meisten Kräutern werden die Blätter verwendet. Für den Frischverbrauch in der Küche kann man sie ständig in kleinen Mengen ernten. Zum Trocknen größerer Mengen schneidet man die Stengel zu Beginn der Blützeit ab und hängt sie gebündelt an einem schattigen und luftigen Platz auf. Von den getrockneten Zweigen streift man die Blätter ab und bewahrt sie in gut verschließbaren Dosen auf. Man kann die frischen Stengel oder die kleingehackten Blätter einiger Arten auch einfrieren. Manche Kräuter (Estragon, Ysop, Zitronenmelisse) eignen sich gut zum Konservieren in Essig oder öl.
Bei manchen Heilpflanzen wird die Wurzel benötigt (Eibisch). Man gräbt im Herbst einige Wurzeln aus, säubert sie gründlich, schneidet sie in kleine Stücke und trocknet sie.


Der Pflanzendoktor:

• Im allgemeinen sind Kräuter nicht anfällig gegen einen Befall durch tierische oder pflanzliche Schädlinge. Muß man tatsächlich einmal Läuse, Rost oder Mehltau bekämpfen, so sollte man im eigenen Interesse grundsätzlich keine chemischen Pflanzenschutzmittel verwenden. Die »Biogärtnerei« hält eine Menge von Rezepten für ungiftige Spritzbrühen, z.B. aus Brennesseln oder Schachtelhalm, bereit, die hier zum Einsatz kommen können. Auch ein radikaler Rückschnitt kann manchmal helfen.

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