Our Solar System Lithograph - Eine Kopie von Solar System Exploration

Der Asteroidengürtel


Im Sonnensystem gibt es eine breite Lücke zwischen dem äußersten der inneren Planeten, Mars, und dem ersten unter den Riesenplaneten, Jupiter. Eine ziemlich einfache mathematische Beziehung, die 1766 von J. K. Titius (1729-96) in Wittenberg gefunden und 1772 von J. E. Bode (1747-1826) in Berlin allgemein bekannt gemacht wurde, gab die Abstände der Planeten von der Sonne erstaunlich genau wieder, führte aber alsbald zu der Vermutung, daß zwischen Mars und Jupiter ein Planet fehlen müsse. So schlössen sich gegen Ende des 18. Jh.s einige Astronomen unter J. Schröter (1746-1826) und Baron von Zach (1754-1832) zusammen, um planmäßig nach diesem unbekannten Himmelskörper zu suchen. Die Ereignisse kamen ihnen aber zuvor.


Die Entdeckung der Kleinplaneten

Am l. Januar 1801 fand Giuseppe Piazzi (1746-1826) in Palermo einen sternähnlichen Körper, der sich von Nacht zu Nacht merklich unter den Fixsternen bewegte und als ein Planet herausstellte, der in der Lücke zwischen Mars und Jupiter seine Bahn zog. Er gab ihm den Namen der Schutzgöttin Siziliens, Ceres.
Im Lauf der folgenden Jahre entdeckten deutsche Astronomen, an ihrer Spitze Wilhelm Olbers (1758-1840) in Bremen, drei weitere Planeten: Pallas, Juno und Vesta, mit ähnlichen Bahnen. Sie sind alle sehr klein. Nur Ceres hat einen Durchmesser von mehr als 1000 km. Mit bloßem Auge ist nur Vesta mitunter zu sehen. Man nannte sie zusammen Kleinplaneten oder Planetoiden (die Bezeichnung »Asteroiden« ist weniger gut, da es sich nicht um Sterne im engeren Sinn, wie die Sonne, handelt).
Erst 1845 entdeckte wieder ein deutscher Liebhaberastronom, Karl Hencke (1793 bis 1866), einen Planetoiden: Astraea. Seit 1850 wurden dann alljährlich weitere Kleinplaneten entdeckt, wobei später die von Max Wolf in Heidelberg entwickelte photographische Methode (1890) noch einen bedeutenden Fortschritt brachte. Heute liegt das Problem weniger darin, weitere Planetoiden zu finden, als vielmehr darin, ihre Bahnen rechnerisch zu verfolgen. Tatsächlich sind schon verlorene Objekte mit Hilfe moderner Großrechenanlagen wiedergefunden worden. Einige tausend Planetoiden stehen unter fester Kontrolle, insgesamt mag es aber 50 000 solcher Kleinkörper geben. Die Durchmesser der größten sind früher wohl etwas unterschätzt worden. So hat Ceres, der größte Planetoid, gut 1000 km Durchmesser. Nach unten gibt es offenbar keine Grenze.


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Gaspra

Ungewöhnliche Bahnen

Nicht alle Planetoiden halten sich an die Hauptzone ihres Vorkommens [4]. Carl Witt entdeckte 1898 in Kopenhagen den 433., Eros, der bis diesseits der Marsbahn kommen kann und sich der Erde gelegentlich bis auf 24 Millionen km nähert, wie es 1931 und wieder 1975 der Fall war. Bei solchen Anlässen wurde er zur genaueren Bestimmung der Astronomischen Einheit (Entfernung Sonne-Erde) herangezogen. Seine Gestalt ist unregelmäßig: etwa 27 km lang und weniger als 16 km breit, was sich in veränderlicher Helligkeit im Zuge seiner Rotation äußert. Noch näher kam 1937 Hermes, der nur l km Durchmesser hat, an die Erde heran. Mit 780 000 km erreichte er weniger als die doppelte Mondentfernung. Zusammenstöße der Erde mit Kleinplaneten sind an sich durchaus möglich, aber äußerst wenig wahrscheinlich.
Der Planetoid Icarus nähert sich der Sonne bis auf 28 Millionen km - weniger als Merkurabstand - und befindet sich 200 Tage später mit 295 Millionen km in mehr als Marsentfernung. Andererseits reicht die Bahn von Hidalgo fast bis zum Saturn. Als »Trojaner« werden zwei Gruppen von Planetoiden zusammengefaßt, die jeweils 60 Grad vor und 60 Grad hinter dem Jupiter auf dessen Bahn mitlaufen und damit einen Spezialfall der theoretischen Himmelsmechanik darstellen.
Im Fernrohr sind Planetoiden nur durch ihre Bewegung von Sternen zu unterscheiden, wenn man nicht besondere Verfahren anwendet. Den Astronomen fallen sie wegen der Spuren, die sie auf langbelichteten Himmelsaufnahmen ziehen, geradezu lästig.
Nach den Aufnahmen zu schließen, die Mariner 9 von den winzigen Marsmonden Phobos und Deimos gemacht hat - es könnte sich um eingefangene Planetoiden handeln -, sind die Kleinplaneten wohl von Kraternarben bedeckte unregelmäßige Gesteinstrümmer. Auch einige kleine Monde der äußeren Planeten sind vielleicht eingefangene Planetoiden.

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Ida

Die Entstehung der Planetoiden

Woher die Kleinen Planeten stammen, ist noch ungeklärt. Nach einer schon im vorigen Jahrhundert beliebten Theorie sind sie die Trümmer eines früheren Planeten (vielleicht auch mehrerer), der jenseits der Marsbahn lief und in grauer Vorzeit einer Katastrophe zum Opfer gefallen ist. Es gilt heute aber als wahrscheinlicher, daß sie nie einen einzigen großen Körper gebildet haben. Die mächtige Schwerewirkung des Jupiters konnte wohl verhindern, daß in der jetzigen Planetoidenzone überhaupt ein großer Planet entstand. Man muß auch bedenken, daß die Massen aller Planetoiden zusammengenommen noch nicht einmal für einen Körper wie den Mond ausreichen würden.


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